Das Konzept des Empowerments (engl. (Selbst-)Ermächtigung) zielt darauf ab, marginalisierten, stigmatisierten und diskriminierten Gruppen in der Gesellschaft Möglichkeiten der Teilhabe und Gestaltung zu eröffnen3. Ein Teil des Empowerment-Prozesses ist, dass Betroffene in geschützten Räumen unter sich sein können. Auch in Schulen ist dies ein wichtiger Ort für von Rassismus betroffene Schüler:innen, die in ihrem Alltag wiederkehrend mit negativen Zuschreibungen konfrontiert sind. Diese beziehen sich oft auf ihr Aussehen, ihre Herkunft oder ihre (zugeschriebene) Religion (v. a. Islam, Judentum). Neben offensichtlichen rassistischen Beleidigungen sind es oft die sogenannten Mikroaggressionen – ein kurzer Spruch, eine Polizeikontrolle, die Frage nach der Herkunft – die dazu führen können, dass sich Schüler:innen dauerhaft psychisch belastet und ausgegrenzt fühlen. Das hat Einfluss auf den Glauben an die eigenen Stärken und Fähigkeiten dieser jungen Menschen und damit auch auf ihren Lernerfolg.
Die genannten Räume bieten die Möglichkeit, vor diesen Verletzungen und den Fremdbewertungen geschützt zu sein, nicht ständig infrage gestellt zu werden und positive Erfahrungen machen zu können. Sie können sich dort angstfrei über sehr schmerzhafte Erlebnisse austauschen. Durch das Teilen von Erfahrungen merken sie, dass es kein individuelles Problem der Kinder und Jugendlichen ist, sondern gesellschaftliche Zuschreibungen zu einer bestimmten Gruppe. Die Wissenschaftlerin Nkechi Madubuko betont, dass es dabei wichtig sei, „nicht in der Verletzung zu verharren, sondern selbstbestimmt Worte zu finden, sich als Individuum zu entdecken, eigene Wünsche zu formulieren, sich gegenseitig Halt zu geben und ggf. Verletzungen „heilen“ zu lassen“4. Nur so können Schüler:innen Handlungsfähigkeit und -kontrolle erlangen und ihr Selbstbild stärken.
Nkechi Madubuko (2021): Praxishandbuch Empowerment. Rassismuserfahrungen von Kindern und Jugendlichen begegnen.
Das Praxishandbuch richtet sich an pädagogische Fachkräfte und bietet wertvolle, praxisnahe Bezüge, wie Diskriminierungen begegnet werden kann. Die Autorin analysiert, welche Haltung, Reflexion und welches Wissen als Fachkraft unabdingbar ist, um Rassismus zu erkennen und Empowerment zu ermöglichen. Sie verknüpft die Analyse mit Beispielen zur Umsetzung von Empowermentstrategien. Eine Besonderheit in dem Buch ist der Fokus auf Safer Spaces und die Vorstellung von verschiedenen Methoden durch Empowerment-Trainer:innen.
Nkechi Madubuko, Dr. ist u.a. promovierte Soziologin, Autorin und Diversity-Trainerin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Empowerment, Verarbeitung von Rassismuserfahrungen, rassismuskritische Bildung, diversitätssensibler Umgang und Empowerment-Orientierung im Kontext Schule. Ein wichtiger Fokus ist der Umgang mit Rassismuserfahrungen mit Kindern und Jugendlichen. Dazu ist neben dem Praxishandbuch Empowerment auch das Buch „Empowerment als Erziehungsaufgabe (2016) erschienen.
1 In der Wissenschaft und in politischen Gruppen wird für die genannten Gruppen häufig auch der Begriff BIPoc (Black, Indigenous, and People of Color) verwendet.
2 In der Fachliteratur wird auch häufig das Wort Safer Spaces verwendet, was das gleiche Konzept meint.
3 https://bildungsluecke-rassismus.de/
4 vgl. Madubuku Praxishandbuch Empowerment. Rassismuserfahrungen von Kindern und Jugendlichen begegnen; 2021:161
5 vgl. Madubuku Praxishandbuch Empowerment. Rassismuserfahrungen von Kindern und Jugendlichen begegnen; 2021:160ff
6 vgl. Madubuku Praxishandbuch Empowerment. Rassismuserfahrungen von Kindern und Jugendlichen begegnen; 2021:165
7 vgl. Madubuku Praxishandbuch Empowerment. Rassismuserfahrungen von Kindern und Jugendlichen begegnen; 2021:164
8 vgl. Madubuku Praxishandbuch Empowerment. Rassismuserfahrungen von Kindern und Jugendlichen begegnen; 2021:168ff
Dieses Material ist im Rahmen von Vielfalt entfalten – Gemeinsam für starke Schulen entstanden. Vielfalt entfalten – Gemeinsam für starke Schulen war ein Projekt der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und wurde gefördert von der Stiftung Mercator.